Foto-Aktion: Woche 1

Foto-Aktion: Woche 1

Hier seht Ihr alle Bilder der ersten Woche unserer Foto-Aktion auf Facebook. Mit ein paar Impressionen wollen wir Euch unter dem Hashtag #inspirAsian den Einstieg in die Klausurenphase erleichtern. 😉 Haltet durch! Falls Ihr uns auf Facebook folgt dürft Ihr auch gerne weitere Bilder mit einem kurzen Text einsenden, die wir dann veröffentlichen.


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„Am Tag vorher hatte es geregnet, deswegen war der komplette Parkplatz, auf dem normalerweise der Markt stattfindet, vollkommen überschwemmt. Bei drei Regentagen im Jahr ist ein Abfluss in der Regel nicht nötig. Vorne fährt der traditionell gekleidete Herr vorbei, im Hintergrund stehen die dicken Nissan Jeeps vor einer alten Stadtmauer. Tradition und Moderne in einem Bild, wie im gesamten Oman.
(Sebastian Unrecht, Nizwa im April 2016)


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„Das Bild ist im Jahr 2013 in Inasuyan, Biliran auf den Philippinen entstanden. Besonders schön war in dem Moment, dass ich es endlich geschafft habe, im richtigen Augenblick am Morgen am Meer zu stehen. Die Möglichkeit hatte ich schon so oft, aber hab‘ sie bis zu dem Tag nie wahrgenommen.“
(Kathrin Spenna)


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„Filigrane Figuren, imposante Paläste und Sehenswürdigkeiten aus aller Welt wie das Empire State Building, das römische Kolosseum und viele mehr, kann man in China zur Winterzeit an einem Ort vereint sehen: Weit, weit im Nordosten Chinas, in Harbin, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Heilongjiang, findet alljährlich das internationale Eis- und Schneeskulpturenfestival statt. Und hier gibt es all diese Skulpturen und Bauten zu sehen – geformt aus purem Eis. Trotz grausiger Minusgrade, die einem Wimpern und Haare gefrieren lassen, kann man eigentlich gar nicht anders, als sich beim Anblick der bunt erleuchteten Eisskulpturen und Bauten nur zu gern in die Eiseskälte zu wagen. In wochenlanger Arbeit zaubern nationale wie internationale Künstler ein wahres Wintermärchenland aus Schnee und Eis, das über die dunklen, kalten Tage hinwegtröstet und pure Begeisterung bei den zahlreichen Besuchern auslöst. Beim Anblick der riesigen Eisblöcke, die zu beeindruckenden Bauten aufgetürmt sind und der kunterbunten Beleuchtung kommt man nicht mehr aus dem Staunen heraus – und es wird einem zumindest warm ums Herz. Und wem Bloßes angucken zu langweilig wird, der kann sich auf den verschiedenen Rutschen, ebenfalls komplett aus Eis, austoben und beim (Eis-)Treppensteigen vielleicht auch die Körpertemperatur steigen lassen. Wer sich von Minustemperaturen von bis zu Minus 40 Grad nicht abschrecken lässt und Chinas winterliche Seite kennenlernen will, der hat noch bis zum 25. Februar die Gelegenheit, das größte Schnee- und Eisfestival der Welt mit eigenen Augen zu erleben.“
(Laura Scherf)


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„Tokyo ist im August vor allem eins: heiß, schwül und stickig. Die pulsierende Metropole Japans, die nie schläft und in der es vor geschäftigen Menschen nur so wimmelt, ist für mich faszinierend und anstrengend zugleich. Als ich ziellos durch die gigantische Stadt schlendere und schließlich im Ueno-Park lande, kommt mir dieser wie ein Stück Himmel auf Erden vor. Es ist als würde hier die Welt still stehen. Ich stehe auf einem Steg in einem schier endlosen Meer aus Lotosblüten, im Hintergrund ragen die Wolkenkratzer gen Himmel, hier und da sitzen Maler mit Staffeleien, nicht einmal der Lärm der Autos ist zu hören. Ein tiefer Frieden und Ruhe mitten in dieser rastlosen Stadt.“
(Leonie Muschner)


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„Es ist September in China. In Beijing, wo ich zwei Tage zuvor noch war, brannte die Sonne bei 30 Grad erbarmungslos auf die Ziegeldächer der Altstadt. Hier in Langmusi (郎木寺), einer kleinen Stadt an der Grenze der beiden Provinzen Gansu und Sichuan, hat es seit meiner Ankunft permanent geregnet. Und von den 30 Grad in Beijing sind nur noch 12 Grad übrig. Ich nutze eine kurze Schauerpause, um ein wenig um den lama-buddhistischen Tempel zu streifen. Kurz hinter der Tempelanlage gehen Wege und Straßen in eine atemberaubende Berglandschaft über. Gerade fängt es wieder an zu nieseln und ich will eigentlich schon meine Kamera wieder in der Jacke verstauen, als vor mir die Wolken aufreißen und mich mit diesem wundervollen Bild überraschen! Unvergesslich, dieses Stück wilder Natur im tibetischen Teil Chinas!“
(Zora von Zora in China)

新年快乐!- Frohes Neues!

新年快乐!- Frohes Neues!

Es ist wieder so weit: In China wird es heute laut und bunt, wenn zahlreiche Feuerwerkskörper und Böller knallen, um das neue Jahr zu begrüßen! Das chinesische Neujahr, das sich am traditionellen chinesischen Bauernkalender orientiert, beginnt nämlich erst heute, am 28. Januar 2017. Der Grund dafür?

Das chinesische Neujahr, auch Frühlingsfest genannt, fällt immer auf einen Tag zwischen dem 20. Januar und dem 21. Februar. Warum die Zeitspanne so groß ist? Das liegt daran, dass sich der traditionelle Kalender nach den Mondphasen richtet und Neujahr immer am zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende gefeiert wird.

Gefeiert wird aber nicht nur der Beginn des neuen Jahres, sondern auch der Wechsel des Tierzeichens. Der Tradition nach wird in China nämlich jedem Jahr ein Tier aus dem zwölf Geschöpfe umfassenden Tierkreis zugeordnet. So beginnt dieses Jahr quasi mit einem Krähen: Der Hahn ist an der Reihe und löst damit den raffinierten und kreativen Affen des Vorjahres ab.

Die Charaktereigenschaften des amtierenden Tieres sollen der Tradition nach die Ereignisse des neuen Jahres prägen. Demnach steht die einjährige Herrschaft des Hahns unter einem guten Stern: So klingt allein das chinesische Wort für Hahn – Ji 鸡– vielversprechend, da es in der Aussprache einer chinesischen Bezeichnung für „glücklich“ ähnelt. Außerdem steht der Hahn im Tierkreiszeichen für Helligkeit, da er am Morgen als erster erwacht und mit seinem Krähen einen neuen Tag einläutet.

Der Hahn gilt dem Volksmund nach als gerecht, aufrichtig, mutig und fleißig. Aber natürlich hat auch er seine Schattenseiten, so neigt das farbenprächtige Tier zu Angeberei und übertriebenem Stolz.

Da 2017 aber nicht nur unter dem Zeichen des Hahns, sondern auch dem Element Feuer steht, und diese nur alle 60 Jahre auftretende Kombination eine besonders gute Mischung sein soll, verspricht es ein Jahr der Entwicklung, des Fleißes und der Gerechtigkeit zu werden.

Wir sind gespannt, ob der Hahn den hohen Erwartungen gerecht werden kann 😉 und wünschen Euch allen 福 雞 報 春 – Glückliches und fröhliches Hahn-Jahr!

Und noch ein kleiner Fun-Fact am Rande: Selbst das chinesische Neujahrsfest wird dieses Jahr von der umstrittensten Person der letzten Monate beeinflusst. Die Rede ist vom sogenannten „Trump-Rooster“, der sich in China bereits zu einer regelrechten Ikone für dieses Jahr des Hahns entwickelt hat. Was hinter diesem Trend steckt? Einige Unternehmen haben sich bei der Gestaltung ihrer kleinen Hahn-Figuren für das Neujahrsfest vom jetzigen US-Präsidenten inspirieren lassen.

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Damit aber nicht genug: Getoppt wurde der merkwürdige Trend in der Provinz Shanxi, wo eine riesige Hahn-Statue vor einer Shoppingmall steht und die charakteristischen Merkmale Donald Trumps aufweist. Angeblich soll dabei der Gedanke an erfolgreiche Geldgeschäfte der Auslöser für den „Inflatable Trump Rooster“ gewesen sein …

Laura Scherf

Aufbruch in anderen Schuhen

Aufbruch in anderen Schuhen

Am Mittwoch (18. Januar) fand unser zweiter Vortrag aus der Reihe „Moderne Sklaverei in Asien“ statt, für den wir Anton Pieper von Südwind e.V. eingeladen hatten. Das „Institut für Ökonomie und Ökumene“ konzentriert sich nicht allein auf Kampagnen, sondern verfolgt u.a. sehr wissenschaftliche Ansätze. Dennoch arbeitet Südwind im Rahmen der Aktion „Change Your Shoes“ gemeinsam mit 17 Partnerorganisationen an der Verbesserung der sozialen und ökologischen Bedingungen in der Leder- und Schuhproduktion, besonderer Fokus liegt dabei auf asiatischen und europäischen Ländern.

Woher kommen unsere Schuhe? Wie werden sie produziert und von wem? Aus welchen Materialien bestehen sie und unter welchen Arbeitsbedingungen werden sie hergestellt? Neben einigen grundlegenden Fakten zur Schuhindustrie in Asien, Osteuropa und Italien präsentierte uns Anton Pieper anhand der Fallbeispiele China und Indien auch die Ergebnisse eigener Feldforschung. Interviews mit ArbeiterInnen aus der Provinz Guangdong zeichnen als Momentaufnahme eine Situation, die von Zwangsüberstunden und Lohnabzug, Diskriminierung von Frauen bei der Bezahlung und auch von sexuellen Übergriffe geprägt ist. Die Beschäftigten in den Schuhfabriken sowohl in China als auch in Osteuropa verdienen oft nur die Hälfte eines existenzsichernden Lohnes, wobei sie viele Stunden bis zur völligen Erschöpfung in oft gesundheitsgefährdender Umgebung arbeiten. In China gibt es keine Gewerkschaften, die Selbstorganisation der ArbeiterInnen ist illegal. Mithilfe von Streiks gelang es zumindest, Abfindungen zu erwirken, als die Schuhfabriken von Guangdong aufgrund der steigenden Produktionskosten ins Landesinnere wanderten. Gleichzeitig kam es jedoch auch zu Verhaftungen und repressiven Maßnahmen vonseiten des Staates. In Indien, wo es zumindest im Süden des Landes Gewerkschaften gibt, konzentriert sich die Schuhindustrie zu 60 Prozent auf Lederschuhe, weshalb zur Gesamtproblematik noch die Verhältnisse in den Gerbereien Südindiens hinzukommen: Etwa 85 Prozent des Leders wird mit Chrom gegerbt. Wenn sich das ungiftige Chrom-3-Salz (Cr2O3), das vor allem bei den ersten Produktionsschritten benötigt wird, bei nicht fachgerechter Behandlung zum krebserregenden Chrom-6 (CrO3) wandelt, hat dies verheerende ökologische und gesundheitliche Folgen. Die ArbeiterInnen werden oft nicht mit der passenden Schutzkleidung ausgestattet und sind hier besonders gefährdet.

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Nur etwa 0,5 bis 2 Prozent der Kosten für einen fertigen Schuh machen den Lohn aller beteiligter AbeiterInnen zusammen aus. Die Schuhbranche eignet sich dabei besonders gut als Beispiel für zunehmend globalisierte Wertschöpfungsketten, die in höchstem Maße intransparent sind und häufig einhergehen mit Ausbeutung und Menschenrechtsverletzungen in den Produktionsländern. Anders als in der Textilindustrie gäbe in der Schuhbranche jedoch noch kein breites Spektrum an Fair-Trade-Produkten und Gütesiegeln, bemerkt Pieper, deshalb sei es wichtig, ein besseres Bewusstsein bei den KonnsumentInnen zu schaffen. Er meint aber auch, dass sich über die Beeinflussung des Konsumverhaltens alleine nicht alles regeln ließe. Auch freiwillige Zusammenarbeit (wie z.B. im Rahmen des Textilbündnisses) sind nur kleine erste Schritte. Vielmehr bedürfe es konkreter gesetzlicher Rahmenbedingungen. Es müsse Druck ausgeübt werden – auf die Akteure, auf die Privatwirtschaft und die Unternehmen. Deshalb sei die Lobbyarbeit neben den Recherchen und der Kampagnenarbeit ein so elementarer Teil der Arbeit von Südwind.

Vortrag „Moderne Sklaverei in der Schuhindustrie in China“ (18.01.)

Vortrag „Moderne Sklaverei in der Schuhindustrie in China“ (18.01.)

EILMELDUNG! Im Rahmen der Themenreihe „Moderne Sklaverei in Asien“ veranstaltet unsere Asienhaus-Hochschulgruppe am Mittwoch (18.01.) um 18.00 Uhr (c.t.) einen Vortrag in HS 17, wo uns Anton Pieper von Südwind e.V. etwas über die Schuhindustrie in China erzählen wird.

Das Südwind e.V. – Institut für Ökonomie und Ökumene befasst sich mit einem breiten Spektrum von Nord-Süd-Themen, führt handlungsorientierte Recherchen zu weltwirtschaftlichen Themen durch und arbeitet auf wirtschaftliche, soziale und ökologische Gerechtigkeit hin. Unser Referent beschäftigt sich mit Arbeits- und Menschenrechten, der Schuhproduktion und der Sozialverpflichtung von Unternehmen. Wir freuen uns, ihn am 18. Januar begrüßen zu können und hoffen, dass Ihr zahlreich erscheint!

Die Facebook-Veranstaltung findet Ihr hier, die dürft Ihr natürlich auch fleißig teilen! Mehr Infos über Südwind e.V. gibt es unter www.suedwind-institut.de.

Bali – zwischen Hipster-Tourismus und hinduistischen Traditionen

Bali – zwischen Hipster-Tourismus und hinduistischen Traditionen

Der Staat Indonesien besteht zwar aus über 17.000 Inseln, doch die weltweit wohl bekannteste unter ihnen ist vermutlich Bali. Obwohl Bali im Zentrum des Archipels liegt und in unmittelbarer Nähe Javas, der bevölkerungsreichsten Insel Indonesiens, liegt, hat sich auf dieser kleinen Insel eine ganz eigene Kultur entwickelt und bis heute durchgesetzt. Einen der markantesten kulturellen Unterschiede stellt die Religion dar. Indonesien ist das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt, doch ein Großteil der BalinesInnen ist hinduistisch. Die Religion hat die balinesische Kultur stark geprägt und hat auch heutzutage noch großen Einfluss auf den Alltag.

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Wenn man zum ersten Mal auf Bali ankommt kann es jedoch sein, dass man zunächst einmal vergeblich nach der „typisch balinesischen“ Kultur sucht. Kulturbegeisterte Reisende werden vermutlich Ubud besuchen, die Stadt, die als kulturelles Zentrum Balis gilt. In Ubud angekommen, werden sie dann schnell feststellen, dass das Stadtbild von Yogastudios, Spas, veganen Restaurants und alternativen Kleidungsläden beherrscht wird. Es ist ein Paradies für Hipster, Livestyle-Blogger und alle Instagram-Püppchen dieser Welt. Ein super individuelles, neues Profilbild mit einem Äffchen auf dem Arm schießen, danach einen Smoothie (natürlich organic) schlürfen und zum Abschluss noch schnell eine neue Yogamatte kaufen um das vegane Eis wieder abzutrainieren, alles kein Problem. Aber authentische, balinesische Kultur? Fehlanzeige! Zwar sieht man am Straßenrand kleine Gebetsstätten und Schreine an denen die Balinesinnen Gaben für die Götter darbieten, und auch auf den Bürgersteigen gibt es überall kleine Opfergaben, doch das ist nur ein sehr kleiner Einblick in die balinesische Kultur.

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Wer Glück hat, ist während der Zeit eines hinduistischen Festes auf Bali, denn diese sind ein einzigartiges Erlebnis und Interessenten haben die Chance auf eine authentische Erfahrung mit der balinesischen Kultur. Einer der wichtigsten balinesischen Feiertage ist der sogenannte „Hari Raya Galungan“, welcher eine 10-tägige Festzeit einleitet, die mit dem „Kunigan-Fest“ endet. Bereits vor dem Tag des Festes herrschen rege Vorbereitungen. Straßen werden mit selbstgemachten „Penjors“ geschmückt, dabei handelt es sich um einen Bambusstab, welcher mit Stoffen, Früchten und Blumen als Opfergaben dekoriert wird, und es werden zahlreiche Speisen als Opfergaben und für die Festlichkeiten vorbereitet.

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Das Galungan-Fest ist für die BalinesInnen aus mehreren Gründen sehr wichtig. Es ist dem höchsten göttlichen Wesen, dem „Sangyang Widi“ gewidmet, welcher der allumfassende Schöpfer des Universums ist und eine abstrakte Übergottheit für die BalinesInnen darstellt. Am Tag des Galungan-Festes steigt er zusammen mit anderen Gottheiten und den Ahnen der BalinesInnen zu den Menschen herab und verweilt bei ihnen bis zum Kunigan Fest. Gleichzeitig feiern die Balinesen am Galungan auch den mythologischen Sieg der Götter gegen die Mächte des Bösen, also den Sieg des Dharma (das „Gute“) gegen das Adharma (das „Böse“).

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Am Tag des Galungan-Festes sind alle BalinesInnen in ihrer besten Festtagskleidung auf den Straßen und besuchen Tempel und Friedhöfe mit Opfergaben für Götter und Ahnen. Auch in den darauf folgenden Tagen gibt es auf ganz Bali immer wieder lange Prozessionen auf den Straßen. Da außerdem die meisten BalinesInnen zum Anlass der Feierlichkeiten ihre Familien besuchen oder gemeinsame Ausflüge zu Tempeln unternehmen, kommt es auf den Straßen oft zu langen Staus. Davon lassen sich die BalinesInnen aber nicht die Festtagsstimmung vermiesen. Oft wird die Pause im Stau genutzt um anzuhalten und noch etwas zu Essen zu kaufen, was dann später beim Familienpicknick bei einem der zahlreichen Tempel verzehrt werden kann. Auch an den Tempeln herrscht in dieser Festtagsperiode reges Treiben. Die Stimmung in den Zufahrtsstraßen erinnert fast an einen Jahrmarkt, überall drängen Menschen an Verkaufsständen vorbei, an denen es Spielzeug, Kleidung, Schmuck und natürlich Essen zu kaufen gibt. Die Festlichkeiten enden erst nach 10 Tagen mit dem Kunigan Fest, welches noch einmal besonders den Ahnen gewidmet ist und an dem die Götter und Ahnen die Erde wieder verlassen.

Leonie Muschner
(Text & Bilder)

Indische Gastfreundschaft und Lebensfreude erleben: Navaratri in Navi Mumbai

Indische Gastfreundschaft und Lebensfreude erleben: Navaratri in Navi Mumbai

Navaratri.
Als ich das Wort zum ersten Mal hörte, wusste ich mit dem Begriff nichts anzufangen, und auch jetzt ist mir die volle Bedeutung noch nicht ganz klar. Dennoch, was mir schnell klar wurde, war, dass das Wort Freude und Aufregung bei denjenigen auslöste, die darüber sprachen. Und meine Arbeitskollegen sprachen viel davon. Die Rede war von Tänzen, von Musik, vom gemeinsamen Feiern. Natürlich weckte dies meine Neugierde. Ich erfuhr, dass es sich bei Navaratri um ein neun Tage andauerndes hinduistisches Fest handelt (nava = 9, ratri = Nacht), bei welchem die Göttliche Mutter angebetet und verehrt wird.

Der krönende Abschluss der Festtage fällt interessanterweise jedoch auf den zehnten Tag, also den Folgetag der Navaratri-Feierlichkeiten. Dann nämlich wird Dashahra, auch als Dusserah bekannt, gefeiert – und hier haben die meisten Inder dann auch wirklich frei, während die vorherigen Festtage oder vielmehr Nächte eine wahre Herausforderung für den Biorhytmus und die Work-Life-Balance darstellen.

Doch zurück zu Navaratri. Nach all den schillernden Berichten über die abendlichen Feierlichkeiten wuchs in mir selbstverständlich immer stärker der Wunsch, selbst einmal an einer der Veranstaltungen teilzunehmen. Überall in der Stadt sollten sie zu der Zeit, es war Anfang Oktober, jeden Abend stattfinden. Das Problem war nur, dass es eben erst abends losging. Und alleine, so wurde ich mehrfach ermahnt, sollte ich abends nicht herumlaufen.

Deshalb war ich umso glücklicher, als sich endlich, am neunten und damit letzten Tag von Navaratri, die Möglichkeit bot, einer der Veranstaltungen beizuwohnen.Wir waren zu fünft: meine Mitbewohnerin aus Österreich, meine Wenigkeit, zwei Schwestern aus Deutschland und ihr indischer Arbeitskollege, der sich netterweise erboten hatte, uns zu einer der Feiern mitzunehmen. Verabredet hatten wir uns für 20:30 Uhr und nachdem wir die übliche Zeit von etwa 40 Minuten gewartet hatten (das indische Verständnis von Pünktlichkeit ist etwas anders), tauchte unser „Tourguide“ für den Abend auf.

Bevor wir jedoch das Tanzbein schwingen konnten, ging es zunächst zu einer Durga Puja. Doch statt der erwarteten ehrfürchtigen Stille, choralen Gesänge und andächtig betenden Pilger in einem antiken Tempel, trafen wir auf Musik, Gelächter, bunte Lichterketten und ein lebhaftes Treiben, das einen aus unserer Sicht vielmehr an eine Kirmes als eine Gottesverehrung erinnerte. Jung und Alt strömte auf einen riesigen Platz, auf dem sich zahlreiche Verkaufsstände nebeneinander reihten, ein Puppentheater mit selbst angefertigten Marionetten für die Kleinen und auf der gegenüberliegenden Seite ein Konzert von einem Bollywoodsänger für die Großen für Unterhaltung sorgten. Neben diesen gesellschaftlichen Vergnügungsprogrammpunkten stellte die eigentliche Attraktion jedoch die Statue der Göttin Durga im Inneren eines extra für diesen Anlass provisorisch errichteten Tempels in einem Festzelt dar. Die Warteschlange der Menschen, die persönlich einen Blick auf den Schrein erhaschen wollten, reichte weit bis vor das Zelt. Davon ließen wir uns jedoch nicht abschrecken. Wir stellten uns an und es ging erstaunlich zügig voran, sodass wir innerhalb kürzester Zeit selbst einen Blick auf den Altar werfen konnten. Dieser zeigte jedoch nicht die Göttin allein. Zwar befand sich ihre Statue im Zentrum, es handelte sich jedoch um die Nachstellung einer mythologischen Szene, die den Kampf Durgas gegen den Dämonen Mahishasura widerspiegelte und so befanden sich noch weitere Statuen im Altarbereich, die Durgas vier Kinder, andere hinduistische Götter, und den Dämon repräsentierten. Aber auch hier wollte keine hehre Stimmung aufkommen, schien es doch eher darum zu gehen, mit seinem Handy ein möglichst gutes Foto zu machen.

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Nach der Durga Puja zogen wir weiter, um endlich den Teil des Abends zu beginnen, auf den ich so sehnsüchtig gewartet hatte: Wir machten uns auf den Weg zu einer Navaratri-Feier, bei der getanzt werden sollte. Die Straßen waren schon dunkel, aber zahlreiche Lichterketten, die von Bäumen und Drähten herunterhingen, leuchteten uns den Weg zu den Feierlichkeiten. Lachende Menschen und Frauen in wunderschönen, farbenfrohen traditionellen Kleidern begleiteten uns auf dem Weg und die lauter werdenden Klänge der Musik wiesen uns die Richtung. Endlich hatten wir den Ort des Geschehens erreicht. Vor uns befand sich ein offener Platz, über den zahlreiche, in bunten Farben leuchtende Lichterketten eine Art Zeltdach spannten. Der Platz wimmelte nur so vor Menschen – und sie alle tanzten. Es war, als würde man eine andere Welt betreten. Von einer Bühne her erklang laut die lebhafte Musik und jedes Lied wurde mit unglaublicher Freude und Begeisterung begrüßt. Es war ein absolut faszinierender Anblick auf ein vollkommen anderes Leben. Und noch viel faszinierender war, dass es zu jedem Lied einen eigenen Tanz zu geben schien. Die Menschen tanzten nicht für sich, sondern bewegten sich im Kreis und in einer sich von Lied zu Lied verändernden Choreographie, die alle zu kennen schienen. Niemand wurde ausgeschlossen: Männer, Frauen, Alte und Kinder – alle tanzten zusammen und sie alle strahlten pure Lebensfreude aus. Und diese wollten sie mit uns teilen. Bevor wir uns versahen, wurden wir mit in einen Kreis aufgenommen und dazu aufgefordert, die Schritte nachzumachen. Was sich am Anfang noch äußerst schwierig gestaltete, wurde mit der Zeit jedoch allmählich besser. Die Menschen strahlten darüber, dass wir mit ihnen tanzten und waren unermüdlich darin, uns die einzelnen Choreografien zu zeigen. Dank der Länge der Lieder und der sich stetig wiederholenden Schrittabfolge schafften wir es schließlich, uns einigermaßen in die Kreise zu integrieren. Die laute, fröhliche Musik und die ausgelassene Stimmung taten ihr Übriges, dass man selbst bald über das ganze Gesicht strahlte.

Doch trotz der späten Stunde, es war bereits halb elf, hatte die Hitze des Tages noch nicht an Kraft eingebüßt, was das Tanzen regelrecht zum sportlichen Erlebnis werden ließ. Schließlich bedankten wir uns erschöpft, aber glücklich – doch der Abend war noch nicht vorbei. Aufgeregt wurden wir darum gebeten, doch noch zum Essen zu bleiben. Es war zwar für deutsche Verhältnisse schon recht spät für Essen, doch hier zeigte sich wieder einmal, dass die indische Kultur untrennbar mit Essen verbunden ist. Wir wurden in eine Halle neben dem Platz geführt, in der an einem langen Buffet Essen ausgeteilt wurde und in der viele Menschen aßen, miteinander redeten und sich vom Tanzen erholten. Unsere Teller wurden großzügig mit verschiedenen köstlichen, wenn auch typischerweise scharfen Gerichten befüllt und wir setzten uns auf den Boden, um diese zu verspeisen. Es war einfach nur beeindruckend. Wir waren vollkommen Fremde für die Menschen, doch sie empfingen uns mit einer so selbstverständlich wirkenden Freundlichkeit, dass es einen mit tiefer Dankbarkeit und Ergriffenheit erfüllte. Nach dem Essen und einigen Fotos, die lustigerweise von uns als vermeintliche Attraktion gemacht wurden, begaben wir uns schließlich auf den Rückweg.

Doch dieser Abend wird für mich immer unvergessen bleiben. Die Gastfreundschaft, Unvoreingenommenheit, Lebensfreude und Großzügigkeit der Menschen dort hat mich zutiefst beeindruckt und bewegt. Andersherum könnte ich mir so eine Situation in Deutschland nicht vorstellen, und das gibt einem doch zu denken.

Laura Scherf
(Text & Bilder)

Ache Lhamo – die tanzenden Göttinnen Tibets

Ache Lhamo – die tanzenden Göttinnen Tibets

1959 – nach der Eingliederung Tibets in die chinesische Volksrepublik flohen tausende Tibeter nach Indien, wo sich eine Exilgesellschaft entwickelte. Sowohl die Geflohenen, als auch die Zurückgebliebenen stehen seitdem den Fragen gegenüber, was die tibetische Kultur bedeutet und wie sie bewahrt und vor allem weitergelebt werden kann. Ein wichtiger Teil der traditionellen aufführenden Künste ist Ache Lhamo, das traditionelle Theater Tibets, gekennzeichnet durch jahrhundertelange Standhaftigkeit und doch stetigen langsamen Wandel.

Der Legende nach, soll das klassische Theater Tibets im 15. Jahrhundert von Thangtong Gyalpo, einer der bekanntesten religiösen Figuren der tibetischen Geschichte, entwickelt worden sein. Während seiner Lebzeiten baute er insgesamt 108 Eisenbrücken, die sogar heute noch teilweise existieren. Damit sollten abgeschottete Orte erreicht werden, um die buddhistische Lehre besser verbreiten zu können. Eine dieser Brücken ist jedoch immer wieder zusammengebrochen. Da die Sponsoren deswegen ihre Hilfe zurückzogen, überlegte sich Thangtong Gyalpo einen anderen Weg um Geld aufzutreiben. Er komponierte Opernarien, basierend auf religiöse Erzählungen, und gewann sieben attraktive Schwestern als Schauspieler. Er selber begleitete die Aufführungen mit einer Trommel und einem Becken. Die Zuschauer waren begeistert und verglichen die anmutigen Bewerbungen der Schwestern mit den Tanzen der Göttinnen (lha mo). So erhielt das tibetische Theater seinen Namen Ache Lhamo – Schwestern Göttinnen. Bis heute wird Thangtong Gyalpo als Patron des Ache Lhamo und der Schauspieler verehrt. Aus den fortlaufenden Aufführungen des Ache Lhamo entstanden feste Vorgehensweisen und Traditionen, welche das Theater so charakterisieren. Spätestens seit dem 19. Jahrhundert wurden Ache Lhamo Vorstellungen im gesamten Tibet aufgeführt. Jeder größere Bezirk hatte seine eigene feste Amateurgruppe und die Stücke und deren Inhalte waren so bekannt, dass die Menschen die Lieder mitsingen konnten. So wurde auch das Theater-Festival Zho ston (Joghurt-Festival) in Lhasa zu Tradition.

Heute zählt man neun traditionelle Stücke. Diese greifen historische und religiöse Themen auf und überliefern die Geschichte Tibets. Ausgeschmückt sind die Geschichten durch eine große Zahl an phantastischer Wesen und Ereignissen, um die Botschaften prägender übermitteln zu können. Im Gegensatz dazu stehen die allgegenwärtigen Ereignisse und Probleme des tibetischen Lebens, mit denen die Charaktere im Stück konfrontiert werden. Nicht nur der Inhalt der Stücke erinnert an das Leben in Tibet. Die schlichte, runde Bühne mit einem weißen Zeltdach und Zuschauern auf allen Seiten, soll an die tibetische Landschaft mit seinen offenen Ebenen und majestätischen Bergen erinnern. In der Mitte der Bühne findet man einen kleinen Baum, ergänzt durch einen Tisch mit einem Bildnis von Thangtong Gyalpo und Darbringungen. Die Requisiten und Szenerie werden minimalistisch gehalten. Stattdessen erschaffen die Schauspieler mit ihrer Spielkunst und das Publikum mit ihrer Vorstellungskraft zusammen die Welt der Charaktere. Je schlichter und neutraler die Bühne gestaltet ist, desto aufwendiger und einzigartiger sind die Kostüme und Masken der Akteure. Bestimmte Eigenschaften und Stile sind dabei verschiedenen Charakteren fest zugeordnet, so dass man eine Figur auch unabhängig vom Kontext eindeutig zuordnen kann. Tanz und Gesang werden traditionell lediglich von einer Trommel und einem Becken begleitet. Während es für untrainiert Ohren schwer ist, die einzelnen Lieder zu unterscheiden, erklingt für Ache Lhamo Liebhaber jedes Musikstück einzigartig. Jedes Theaterstück, was in seiner kompletten Aufführung mehrere Tage dauern kann, startet mit dem gleichen Prolog, der inhaltlich unabhängig von der eigentlichen Handlung ist. Dieses Vorspiel besteht aus einer Reihe überlieferten Ritualen und soll Dämonen vertreiben, Segnungen erbitten und Thangtong Gyalpo ehren. Dazu gibt es noch zwei weitere wichtige Merkmale, die Ache Lhamo so einzigartig machen. Bei dem einen handelt es sich um das Element der Improvisation. Je nach Stimmung des Auditoriums werden Szenen verkürzt oder verlängert, um so ein optimales Schauspiel-Vergnügen bieten zu können. Das zweite Merkmal sind humoristische Zwischenspiele, wie Satire. Diese Szenen werden als Mittel für soziale und politische Kommentierung eingesetzt. Auch angesehene Mönche oder aristokratische Familien werden dabei nicht geschont. Dies macht es den Schauspielern möglich, die Jahrhunderte alten Geschichten, mit Themen der Gegenwart zu verknüpfen und somit den Geist der Zeit wiederzugeben. Über die Jahre wurden die Texte und Choreografien aus dem Gedächtnis heraus von Generation zu Generation weitergegeben. So kam es im Laufe der Zeit zu einem stetigen, wenn auch schleichenden, Wandel. Das Resultat dessen, sind stets individuelle Aufführungen und ein stets einzigartiges Erlebnis der Zuschauer, obwohl der Kern des Theaters blieb dabei immer fest verankert bleibt.

Nach der Eingliederung Tibets in den chinesischen Staat 1959 wurde das traditionelle Theater im Zuge der Kulturrevolution zunächst verboten. Neunzehn Jahre später, als das Verbot aufgehoben wurde, musste man praktisch wieder von neu Anfangen. In der tibetischen Exilgesellschaft wird angesichts der Entwicklungen in Tibet vor allem die zunehmende „Sinisierung“ kritisiert. Dabei wurden die Stücke durch stärkere Reglementierungen und Simplifizierungen dem chinesischen und westlichen Publikum zugänglicher gemacht. Jedoch sind auch die Entwicklungen in der tibetischen Exilgesellschaft in Indien nicht umstritten. Das TIPA (Tibetan Institute of Performing Arts) ist für die Erhaltung und die Förderung der tibetischen Künste zuständig. Mit den wenigen Kundigen, denen eine Flucht aus Tibet geglückt ist, förderte man die Zusammentragung der traditionellen Stücke und ermöglichte so begabten Schülern den Zugang zu einer langjährigen Ausbildung in den Künsten des Ache Lhamo. Das Institut konzentriert sich vor allem darauf den Status des Theaters und dessen Charakteristiken von vor der Eingliederung zu bewahren. Ein natürlicher Wandel mit dem Geiste der Zeit ist so nicht möglich und vermutlich einer der Gründe, wieso die jüngeren Generation das Interesse an dem traditionellen Theater verliert. Allgemein sehen manche Kritiker einen Trend, dass die tibetische Kultur für den Westen wichtiger zu sein scheint, als für die tibetische Exilgesellschaft.

Die tibetische Kultur, insbesondere Ache Lhamo, wird zum Erhalt vorgetragen und ausgestellt. Dies reicht jedoch nicht, um sie fortleben zu lassen. Vielmehr muss ein Weg gefunden werden, sie als aktiven zentralen Teil des tibetischen Lebens im Bewusstsein zu verankern und sie mit dem Fortschreiten des gesellschaftlichen Wandel weiterzuentwickeln.

Johanna Kuchem
(Bild: Tibetan Institute of Performing Arts)