Friedensarbeiter aus Myanmar im Asienhaus

Friedensarbeiter aus Myanmar im Asienhaus

Vergangenen Montag (13.06.2016) trafen sich Interessierte des Asienhauses und der Asienhaus Hochschulgruppe Bonn mit einer Delegation burmesischer Friedensarbeiter in Köln. Im Zentrum des Ideen- und Strategieaustauschs standen die Situation der Hochlandbewohner, vor allem im Kachin- und Shan-Staat, eine Grundlagendebatte über Formen des Föderalismus und natürlich die internationale Vernetzung zwischen den verschiedenen NGOs. Begleitet wurde die Delegation von Elmar Langner (Weltfriedensdienst), der seit drei Jahren in Myanmar tätig ist.

Kachin: Anhaltender Konflikt und die Notwendigkeit von NGOs

Der Kachin-Staat ist der nördlichste in der burmesischen Union und grenzt an Südchina (Norden) und den Shan-Staat (Süden). Die Region ist eine der ärmsten des Landes und gleichzeitig Schauplatz des nie enden wollenden Bürgerkriegs zwischen bewaffneten Separationsarmeen und burmesischer Armee. Die Jahrzehnte des Krieges haben tiefe Spuren in der Struktur des Kachin-Staats, seiner Bevölkerung und den Machtverhältnissen zwischen ethnischen Armeen und der Zentralregierung hinterlassen. Nach dem Ende des Waffenstillstands zwischen Zentralregierung und einigen bewaffneten Gruppen (2011), mussten erneut tausende Menschen vor dem Einfluss von Warlords, Drogenbaronen und Krieg fliehen, vor allem in die Grenzregion zu China. Wie La Rip (Kachin Development Group) berichtete, gibt es noch immer 16 grenznahe IDP-Camps (IDP = Internally Displaced People, Binnenflüchtlinge), mit ca. 120.000 Vertriebenen, das größte davon in der Grenzstadt Laiza. Diese Camps werden ausschließlich durch nationale und internationale NGOs betrieben und aufrecht erhalten. Die Zentralregierung hat ihren Einfluss und ihre Kontrolle in dieser Region längst eingebüßt.

Dies zeigt sich auch an der prekären strukturellen Situation: Der Norden des Kachin-Staats ist weithin auf Lebensmittelimporte aus China angewiesen, da eine Versorgung aus dem Süden Myanmars nicht gewährleistet werden kann. Der nächste Arzt ist oft viele Kilometer weit entfernt und Schulen gibt es nur in größeren Dörfern. Diese zentralen Probleme versucht die Kachin Development Group mit ihrem Ansatz change from within zu lösen. Sie engagiert sich beispielsweise bei der Einrichtung mehrerer health care center, die von geschulten Gesundheitsarbeitern betrieben werden. Darüber hinaus organisiert die KDG Bildungsangebote für Jugendliche und Speisungen in den IDP-Camps.

Shan: Konflikttransformation und Probleme des Föderalismus

Nationale NGOs, wie Pyi Nyein Thu Kha (PNTK), die im Shan-Staat agiert, nehmen hierbei oft die Rolle des Vermittlers zwischen Zentralregierung und bewaffneten Clans ein. Htet Oo Wai (PNTK) verriet, dass viele der bewaffneten Gruppen heute vor allem durch wirtschaftliche Interessen getrieben würden; Jade- und Holzschmuggel oder Opiumanbau sind auch heute noch bedeutende Einkommensquellen für lokale Warlords, die mitunter kleine Privatarmeen zur Bewachung ihrer Felder unterhalten. Beispielsweise versucht PNTK gezielt, lokale Lösungsstrategien für Probleme zu lösen, die sich im Shan-Staat ähnlich äußern, wie im Kachin-Staat. Häufig ermögliche dies einen Dialog mit den bewaffneten Gruppen und schaffe eine Basis von Vertrauen und Respekt. Dauerhaft könne die Region nur durch eine aktive Konflikttransformation zur Ruhe kommen und daher versucht PNTK auch, nicht zu eng mit der Zentralregierung zu kooperieren – zumindest nicht öffentlichkeitswirksam.

Naing Lynn (PNTK) und Bawk La Hpauna (Naushawng Education Network, NSEN) gaben auch zu bedenken, dass der föderale Prozess in Myanmar seit Jahrzehnten stockt und sich dadurch sehr viele Probleme ergeben. Schon 1947 vom „Vater der Nation“ Aung San beschlossen, ist das Panglong-Abkommen, dass die föderale Ordnung Burmas einleiten sollte, nie umgesetzt worden und heute einer der fundamentalsten Streitpunkten zwischen bewaffneten ethnischen Gruppen und der Zentralregierung. Häufig würden auch staatliche Projekte ohne Konsultation der lokalen Bevölkerung beschlossen, was deren Widerstand nur noch bestärke. Doch bereits auf politischer, wie auch juristischer Ebene sei nie ganz klar, in wessen Kompetenzbereich die Zuständigkeit falle. Oft ergäben sich so Überschneidungen (wie doppelte Steuern auf Bodenschätze und Energie), die sich in einer Benachteiligung der Bevölkerung äußerten. In dieser Situation ungeklärter Kompetenzen und Machtbefugnisse sei es für einflussreiche Führer in der Region ein Leichtes, Menschen zu mobilisieren und ihre ganz eigenen Interessen durchzusetzen. Dies aber mit nicht weniger nachteiligen Konsequenzen für die Bevölkerung.

Ebenso beklagt wurde die Entscheidung der NLD vom Mai dieses Jahres, NGOs stärker zu kontrollieren und einen Registrationszwang einzuführen. Dies würde die Arbeit der NGOs durch eine Flut bürokratischer Vorgaben ungemein behindern. Offiziell sind derzeit mehr als 300 NGOs registriert, die Zahl der unregistrierten NGOs liegt dem gegenüber dreimal höher. Häufig müsse man in gesetzlichen Grauzonen arbeiten oder sich bewusst über Verbote und Beschränkungen hinwegsetzen, um weiterhin effektiv agieren zu können.

Dennoch waren alle Beteiligten sehr positiv eingestellt und sahen in ihrer Arbeit ein Schlüsselelement, um nachhaltige Veränderungen voranzutreiben. Wir danken für den Einblick in die burmesische Friedensarbeit!

Manuel Navarrete Torres

Perspektiven der Demokratiebewegung in Thailand (Konferenz)

Perspektiven der Demokratiebewegung in Thailand (Konferenz)

Am 18. Juni werden die Stiftung Asienhaus und das Institut für Südostasienwissenschaften der Universität Bonn gemeinsam mit in Deutschland aktiven Rothemd-Gruppierungen eine Konferenz an der Uni Bonn abhalten! Zeit und Ort findet Ihr auf dem Flyer.

Für die Konferenz konnten prominente kritische Stimmen aus Thailand gewonnen werden, z.B. Dr. Pavin Chachavalpongpun, Dr. Pitch Pongsawat, Dr. Vichien Tansirikongkhon, Kunthika Nutcharus, Din Buadeng, sowie bekannte AktivistInnen im Exil (Junya Yimprasert, Aum Neko, Jaran Ditapichai, Visa Kanthap) sowie Thailandexperten aus Deutschland und Europa (Prof. Dr. Wolfram Schaffar, Dr. Serhat Ünaldi, Nick Nostitz , Dr. Claudio Sopranzetti).

Mehr Infos findet Ihr auch hier.

Thailand Konferenz 2016