ASIEN Süß-Sauer: ‚Inspiring People‘ Ani Chöying Drölma – „Ich singe für die Freiheit!“

Ani Chöying Drölma ist in ihrer Heimat ebenso bekannt und gefeiert wie ein Popstar. Tatsächlich ist sie jedoch eine Nonne, die mit ihrem Gesang und ihrer Geschichte tausende Menschen berührt.

Ani Chöying Drölma wächst als Tochter von Exiltibetern in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu auf. Ihre Kindheit ist geprägt von ihrem gewalttätigen Vater, der sie und ihre Mutter regelmäßig verprügelt. Früh begreift sie, dass es für ihr zukünftiges Leben nur wenig Perspektiven gibt. Sie fürchtet, heiraten zu müssen und in einer ähnlich gewalttätigen Ehe zu leben wie ihre Mutter, da häusliche Gewalt in Nepal nach wie vor ein großes Problem darstellt.

Einen Ausweg aus der Gewalt und eine Chance auf ein besseres Leben sieht sie mit zehn Jahren in einem Leben als Nonne. Kurzentschlossen tritt sie im Alter von 13 Jahren in das Nagi Gompa Kloster, hoch in den Bergen über Kathmandu, ein. Dies ist der Beginn eines neuen Lebens. Die Aufgabe ihrer Besitztümer und der Abschied von ihrem alten Leben fühlen sich für Ani Chöying Drölma wie eine Befreiung an, das Nagi Gompa Kloster wie das Paradies.

Die nächsten zwölf Jahre verbringt sie im Kloster und wird dort in religiösen Disziplinen unterrichtet. Dazu gehören auch die meditativen Gesänge, welche ein wichtiger Bestandteil des Buddhismus sind. Das Leben von Ani Chöying Drölma nimmt eine entscheidende Wendung, als der amerikanische Musiker Steve Tibbetts in Nagi Gompa zu Gast ist. Als er Ani Chöying Drölma singen hört, berührt ihn ihr Gesang zutiefst und er bittet sie, ihre Stimme aufnehmen zu dürfen. Er unterlegt ihren gesang instrumentalisch und das Ergebnis ist eine erste CD und eine Tour in Amerika. Ani Chöying Drölma wird bekannt als „die singende Nonne“. Seitdem hat sich viel getan – sie hat mehrere erfolgreiche CDs veröffentlicht, gibt weltweit Konzerte und 2008 erschien ihr autobiografisches Buch „Ich singe für die Freiheit“, welches seitdem in 15 Sprachen übersetzt wurde.

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Den Erfolg und die damit einhergehenden finanziellen Mittel nutzt Ani Chöying Drölma, um den Menschen, insbesondere jungen Mädchen, in Nepal zu helfen. In einem Land mit großer Armut und einer Analphabetenrate von 80 Prozent unter den Mädchen und Frauen möchte sie etwas bewegen. Darum gründet Ani Chöying Drölma bereits nach ihrem ersten Erfolg 1998 die Nuns Welfare Foundation. Im Jahr 2000 eröffnet sie die Arya Tara-Nonnenschule, die 2007 noch erweitert wurde. Mit diesem Projekt wirkt sie der weiterbestehenden Benachteiligung von Mädchen im Bildungsbereich entgegen. Der Anteil von Frauen mit Schulbildung beträgt in Nepal nur etwa 24%, verglichen mit beinahe 60% der Männer.

Ani Chöying Drölma möchte besonders Mädchen aus ähnlichen familiären Verhältnissen wie den ihren eine Chance auf ein besseres Leben bieten. Deshalb werden die ca. 80 Schülerinnen der Arya-Tara-Schule nicht nur in den traditionellen Buddhistischen Lehren, sondern auch in Englisch, Nepalesisch, Mathematik, Naturwissenschaften und dem Umgang mit Computern unterrichtet. Einige Arya-Tara-Absolventinnen besuchen später sogar die Universität, eine unvergleichbare Möglichkeit für die Mädchen. Nachdem ihre Mutter an einer Nierenkrankheit verstarb, gründete sie die Aarogya Foundation, die Menschen mit Nierenkrankheiten hilft und brachte die Regierung dazu, die Dialyse für Arme kostenlos durchzuführen. 2014 wird Ani Chöying Drölma Nepals erste UNICEF National Botschafterin mit der Aufgabe junge NepalesInnen vor Gewalt zu schützen.

Es ist jedoch nicht jeder mit der unkonventionellen Nonne einverstanden, die durch die Welt reist und Konzerte gibt. Auch wenn sie buddhistische Mantras singt und der Erlös stets in ihre sozialen Projekte fließt. 2011 bietet sie einer jungen Nonne Schutz, nachdem diese nach einer Vergewaltigung aus ihrer Gemeinde ausgeschlossen worden war und riskiert dabei, sich mit der buddhistischen Gemeinschaft in Nepal anzulegen: „She is a human being like everybody else. This could have happened to anybody. […] The most important thing is to treat her like a human being and then later we can look into the matter of wheter she is still a nun“, ist ihre Meinung zu der Angelegenheit. In einem Land wie Nepal, in dem das Patriarchat herrscht, ist Ani Chöying Drölma, die eine komplette Unabhängigkeit erreicht hat, eine Hoffungsträgerin für junge Frauen und Mädchen.

 

Leonie Muschner

 

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