ASIEN Süß-Sauer: ‚Inspiring People‘ José Ramos-Horta: Aktivist, Politiker, Friedensnobelpreisträger

José Ramos-Horta und Osttimor. Kaum eine andere Person eignet sich besser, um die Geschichte des noch recht jungen Inselstaats darzustellen und kaum ein anderer hat auf so unterschiedliche Art und Weise zu der Bildung und Entwicklung des Landes beigetragen. Die Funktionen und Ämter, die er in seinem Leben schon innehatte, bilden eine lange Kette von Aufzählungen: er begann als Journalist, gründete eine Partei, war Aktivist, Menschenrechtsverteidiger und Friedenskämpfer, bekleidete nacheinander die Ämter des Außenministers, Premierministers, des Präsidenten; er erhielt den Friedensnobelpreis, wurde für das Amt des UN-Generalsekretärs vorgeschlagen und war UN-Sonderbeauftragter für Guinea-Bissau. Er wurde von Rebellen angeschossen, lehrt an verschiedenen Universitäten und träumt davon, in Zukunft Kinderbücher zu schreiben.

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Der circa 400 Jahre von Portugal kolonisierte Instelstaat Osttimor erlebte durch die im Jahre 1974 ausgeborchenen Nelkenrevolution im portugiesischen Festland eine plötzliche Veränderung der politischen Verhältnisse, nachdem die Wurzel antikolonialen Denkens in der Bevölkerungs bereits auf das Jahr 1959 datiert werden kann. Der geplante Übergang zu einer unabhängigen Nation wurde 1975 von einem Bürgerkrieg zwischen den ein Jahr zuvor gegründeten Parteien UDT und ASDT (später FRETILIN) überschattet. Dabei unterschieden sie sich grundlegend in ihren Zukunftsvorstellungen für das Land: die UDT strebte eine enge Bindung mit Portugal an, wohingegen die sozialdemokratische, von manchen (Indonesien, USA) als kommunistisch klassifizierte FRETILIN eine schnelle Unabhängigkeit als Ziel hatte. Sekretär für Außenbeziehungen war zu dieser Zeit José Ramos-Horta. Die dritte zu dieser Zeit entstandene Partei, APODETI, befürwortete einen Anschluss an das benachbarte Indonesien. Eben jenes Indonesien, das es mittels Intrigen durch den Geheimdienst Bakin schaffte, einen Bürgekrieg zwischen den Parteien zu initiieren, bei dem es durch die FRETILIN zu massiven Menschenrechtsverletzungen kam, die erst, wenn überhaupt, in der letzten Zeit aufgearbeitet wurden. Für Indonesien stellten die Unruhen in Osttimor einen Vorwand dar, um das Land mit der Begründung, dass Osttimor ein „Sicherheitsrisiko“ im Sinne der Dominotheorie darstelle, zu annektieren. Obwohl die FRETILIN das unabhängige Osttimor ausrief, wurde das Land Ende 1975 von indonesischen Truppen besetzt. Drei Tage vor dieser Annexion reiste Ramos-Horta mit 25 US-Dollar in der Tasche nach New York, um den UN-Sicherheitsrat um die Anerkennung Osttimors als Staat zu bitten. In der Folgezeit machte er immer wieder auf die Menschenrechtsverletzungen seitens der indonesischen Armee aufmerksam, die während der 30-jährigen Annexion Schuld an bis zu 200.000 Toten (knapp ein Drittel der Gesamtbevölkerung) trug, wurde ständiger Vertreter der FRETILIN bei den Vereinten Nationen und kämpfte einen schier endlosen Kampf für Frieden in und Freiheit für Osttimor. Nebenbei studierte er in dieser Zeit Völkerrecht, Menschenrecht, Amerikanische Außenpolitik und Peace Studies. Seine Bemühungen um eine friedliche Beilegung des Konflikts mündeten im Jahre 1996 in die Verleihung des Friedensnobelpreises an ihn, den er sich mit Carlos Filipe Ximenes Belo, einem osttimoresischen Bischof, der sich ebenso für Frieden in seiner Heimat einsetzte, teilte.

Währenddessen war das Land jahrelang von der Öffentlichkeit abgeschottet und erst im jahre 1988 wieder für Journalisten zugänglich. Diese Tatsache machte es jedoch erst möglich, dass ein Massaker an friedlichen Demonstranten im Jahre 1991 der internationalen Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte. Die darauffolgende Entrüstung darüber mündete – zusammen mit Faktoren wie dem Zusammenbruch der UdSSR und dem Abtritt des indonesischen autoritären Präsidenten Suharto – in ein Referendum über die Unabhängigkeit des Landes, die eine überwältigende Mehrheit herbeisehnte. Überschattet wurde die Wahl von pro-indonesischen Milizen, die nach der Auszählung 85% der Gebäude Osttimors aus Wut niederbrannten, woraufhin 1999 die Vereinten Nationen die Verwaltung Osttimors übernahmen. Ramos-Horta kehrte in seine Heimat zurück, um Außenminister der Übergangsregierung zu werden. Nach der Unabhängigkeit 2002 wurde er zudem Verteidigungsminister, nachdem sein Vorgänger aufgrund von Unruhen in Osttimor sein Amt niedergelegt hatte. Kurz darauf wurde er Premierminister, daraufhin Präsident des jungen Landes.

Zu betonen ist jedoch auch, dass Ramos-Horta mitnichten von Gewalt und Chaos verschont geblieben war. So verlor er während der Besatzungszeit Indonesiens mehrere Familienmitglieder und wurde 2008 von Rebellen in seinem Haus überfallen und erlitt schwere Schussverletzungen. Gram lässt er dennoch nicht aufkommen, da er der Ansicht ist, dass ohne Versöhnung kein Fortschritt möglich sein, auch wenn der Schmerz tief sitze

Heutzutage ist José Ramos-Horta international tätig und engagiert sich global für die Stärkung demokratischer Strukturen und die Lösung von Konflikten. Trotz dieses bewegten Lebens sagt er bescheiden über sich selbst: „Mein politisches Engagement ist bloß dem Zufall der Geschichte geschuldet.“

 

Kathrin Spenna

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