Asien Süß-Sauer 5: LGBTIQ in Asien

Alles neu macht der Mai – oder in unserem Fall eher der Juli.

 

In unserer aktuellen Ausgabe der „Asien Süß-Sauer“ wollen wir euch einen kleinen Einblick in die bunte und immer lauter werdende LGBTIQ-Community Asiens geben. Deren (Zu-)Stand ist beinahe genauso vielfältig wie Asien selbst: Von der Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen in Taiwan 2017 – dem ersten asiatischen Land – bis hin zum totalen Boykott der LGBTIQ-Bewegung im Libanon im Zuge des Verbots der Beirut Pride dieses Jahres und systematisch-institutionelle Diskriminierung wie in Azerbaijan.

 

Oft sind es gerade konservative Gruppen, denen die Gleichstellung und damit das „Normalwerden“ geschlechtlicher Vielfalt ein Dorn im Auge ist. Doch wie ihr in den folgenden Artikeln lesen könnt, sind fluide Geschlechtsidentitäten auch für Asien kein Novum – und schon gar keines, das „der Westen“ im Zuge seiner kolonial-imperialistischen Expansion und der Globalisierung mitgebracht hätte.

Im Gegenteil: Oft waren es gerade christliche Missionare, die die etablierten Lebensweisen jenseits heteronormativer Werteordnung abzuschaffen suchten. Und dies leider allzu oft mit einem Erfolg, der bis heute nachwirkt.

Trans* Personen müssen ihren „Platz“ in der Gesellschaft mühselig aushandeln, oft gegen den Widerstand der eigenen Familien und Freunde. Homosexualität wird tabuisiert, stigmatisiert und verfolgt, weniger oft toleriert oder akzeptiert.

Wurden Homosexuelle in Ostasien früher oft der experimentierfreudigen Szene der Kunstschaffenden und Unterhaltenden zugerechnet, steigt die allgemeine Akzeptanz von geschlechtlicher Vielfalt in den asiatischen Gesellschaften durch die „Sichtbarwerdung“ immer weiter an. Dies liegt mitunter daran, dass viele dieser Gesellschaften im Durchschnitt sehr jung sind. Doch selbst in Japan und Südkorea, zwei eher „vergreisenden“ Ländern, zeichnet sich eine ähnliche Tendenz ab, wie uns Jason Born und Bojena Divaeva berichten.

Zu oft wird jedoch übersehen, dass Menschen aus der Community sich über viel mehr definieren, als ihre geschlechtliche Identität. Sie sind aktive Gemeindemitglieder, haben Verantwortung in Familie und Beruf oder sind praktizierende Gläubige. Von diesem Balanceakt der waria in Indonesien berichtet Nadira Chairani.

Dennoch lässt sich feststellen, dass die LGBTIQ-Community in Asien nie lauter und bunter war als jetzt. Dies ist mitunter der Vernetzung der verschiedenen Communities untereinander zu verdanken, die Austausch und eine größere Sichtbarkeit ermöglichen. In einigen Ländern kommen die Bewegungen gerade erst in Fahrt, wie in Timor Leste (Bericht von Kathrin Spenna), in anderen sind sie bereits etablierter Teil des öffentlichen Diskurses, auch wenn der Weg zur Gleichstellung ein noch langer und mitunter schwieriger sein wird.

 

Manuel Navarrete Torres

Asienhaus-HSG Bonn

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