Dritte Ausgabe ASIEN Süß-Sauer: ‚Inspiring People‘ Vorwort

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Liebe KommilitonInnen,

unsere Broschüre „ASIEN Süß-Sauer“ geht ins dritte Semester und steht somit quasi kurz vor der Zwischenprüfung. Die letzten beiden Ausgaben haben sich mit den Themenblöcken Kultur und Demokratie auseinandergesetzt. Der Titel der neuesten Ausgabe, ‚Inspiring People‘, bezieht sich nicht nur auf die Inspiration, die man in anderen erwecken kann, sondern auch diejenige, die wir vom Leben und Wirken anderer in uns finden. Daher möchten wir ab heute das Augenmerk unserer LeserInnen auf einige, hierzulande teils weniger bekannte Persönlichkeiten aus Asien und ihre Biografien lenken. Darunter sind Menschen, die unsere AutorInnen auf die eine oder andere Weise inspirieren und beeindrucken.

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Leonie schreibt in unserer aktuellen Ausgabe über das soziale Engagement der Nonne und Sängerin Chöying Drölma, die mit ihrer Schule nepalesischen Mädchen eine wertvolle Bildungsperspektive bietet. Außerdem geht es um den chinesischen Regisseur Zhang Yimou: Mit der politischen Deutung seiner Werke und der Kritik, der sich der Filmemacher ausgesetzt sieht, hat sich Robert beschäftigt. Kathrin bringt uns José Ramos-Horta näher, der für sein Engagement um eine friedliche Lösung des Osttimor-Konflikts den Friedensnobelpreis erhielt, und Manuel widment sich im letzten Artikel der Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Sirikan Charoensiri, die während des Ausnahmezustands in Thailand den verhafteten KritikerInnen der Militärjunta kostenlose Rechtsberatung bietet.

 

Thorsten Muth

Asienhaus-HSG Bonn

Veranstaltung: Grenzen überwinden. Flucht, Migration und Entwicklung

Veranstaltung: Grenzen überwinden. Flucht, Migration und Entwicklung

Liebe Freunde,

nach einer etwas längeren Pause auf unserem Blog melden wir uns, pünktlich zu unserer nächsten Veranstaltung, zurück und möchten Euch herzlich einladen, morgen um 18 Uhr dem spannenden Vortrag von Frau Dr. Ferenschild von Südwind e.V. zur sozio-ökonomischen Situation syrischer Flüchtlinge in der Türkei beizuwohnen. Veranstaltungsort ist Hörsaal 17 am Regina-Pacis-Weg (großer Hörsaal der Anglistik). Wir freuen uns auf Euer Kommen!

Hier noch einmal der ausführliche Veranstaltungstext:

„Weltweit migrieren und fliehen Menschen. Sie sind auf der Suche nach sicheren Lebensbedingungen oder einer Perspektive, die sie in ihrer Heimat nicht finden. Viele sind auch einfach gezwungen zu migrieren. Zu diesen gehören syrische Flüchtlinge, die in der Türkei (ohne Papiere) u.a. in der Textilindustrie arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Viele verlassen ihre Heimat aber auch freiwillig, unter ihnen viele Arbeits- und HeiratsmigrantInnen. Ob der Aufbruch gezwungen oder freiwillig erfolgt: Fast alle stehen im Zielland vor der Aufgabe, eine selbstständige Existenz aufzubauen. Und dafür brauchen sie politische und arbeitsbezogene Rechte.

Am Mittwoch, den 10. Mai 2017 (18 Uhr, HS 17) haben wir Dr. Sabine Ferenschild zu Gast. Sie ist Researcher und wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Südwind e.V. und wird uns etwas über Migration, Arbeitsbedingungen und syrische Flüchtlinge in der Türkei erzählen. Kommt zahlreich!“

Manuel Navarrete Torres

 

Foto-Aktion

Foto-Aktion

Hier seht Ihr alle Bilder der ersten Woche unserer Foto-Aktion auf Facebook. Mit ein paar Impressionen wollen wir Euch unter dem Hashtag #inspirAsian den Einstieg in die Klausurenphase erleichtern. 😉 Haltet durch! Falls Ihr uns auf Facebook folgt dürft Ihr auch gerne weitere Bilder mit einem kurzen Text einsenden, die wir dann veröffentlichen.


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„Am Tag vorher hatte es geregnet, deswegen war der komplette Parkplatz, auf dem normalerweise der Markt stattfindet, vollkommen überschwemmt. Bei drei Regentagen im Jahr ist ein Abfluss in der Regel nicht nötig. Vorne fährt der traditionell gekleidete Herr vorbei, im Hintergrund stehen die dicken Nissan Jeeps vor einer alten Stadtmauer. Tradition und Moderne in einem Bild, wie im gesamten Oman.
(Sebastian Unrecht, Nizwa im April 2016)


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„Das Bild ist im Jahr 2013 in Inasuyan, Biliran auf den Philippinen entstanden. Besonders schön war in dem Moment, dass ich es endlich geschafft habe, im richtigen Augenblick am Morgen am Meer zu stehen. Die Möglichkeit hatte ich schon so oft, aber hab‘ sie bis zu dem Tag nie wahrgenommen.“
(Kathrin Spenna)


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„Filigrane Figuren, imposante Paläste und Sehenswürdigkeiten aus aller Welt wie das Empire State Building, das römische Kolosseum und viele mehr, kann man in China zur Winterzeit an einem Ort vereint sehen: Weit, weit im Nordosten Chinas, in Harbin, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Heilongjiang, findet alljährlich das internationale Eis- und Schneeskulpturenfestival statt. Und hier gibt es all diese Skulpturen und Bauten zu sehen – geformt aus purem Eis. Trotz grausiger Minusgrade, die einem Wimpern und Haare gefrieren lassen, kann man eigentlich gar nicht anders, als sich beim Anblick der bunt erleuchteten Eisskulpturen und Bauten nur zu gern in die Eiseskälte zu wagen. In wochenlanger Arbeit zaubern nationale wie internationale Künstler ein wahres Wintermärchenland aus Schnee und Eis, das über die dunklen, kalten Tage hinwegtröstet und pure Begeisterung bei den zahlreichen Besuchern auslöst. Beim Anblick der riesigen Eisblöcke, die zu beeindruckenden Bauten aufgetürmt sind und der kunterbunten Beleuchtung kommt man nicht mehr aus dem Staunen heraus – und es wird einem zumindest warm ums Herz. Und wem Bloßes angucken zu langweilig wird, der kann sich auf den verschiedenen Rutschen, ebenfalls komplett aus Eis, austoben und beim (Eis-)Treppensteigen vielleicht auch die Körpertemperatur steigen lassen. Wer sich von Minustemperaturen von bis zu Minus 40 Grad nicht abschrecken lässt und Chinas winterliche Seite kennenlernen will, der hat noch bis zum 25. Februar die Gelegenheit, das größte Schnee- und Eisfestival der Welt mit eigenen Augen zu erleben.“
(Laura Scherf)


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„Tokyo ist im August vor allem eins: heiß, schwül und stickig. Die pulsierende Metropole Japans, die nie schläft und in der es vor geschäftigen Menschen nur so wimmelt, ist für mich faszinierend und anstrengend zugleich. Als ich ziellos durch die gigantische Stadt schlendere und schließlich im Ueno-Park lande, kommt mir dieser wie ein Stück Himmel auf Erden vor. Es ist als würde hier die Welt still stehen. Ich stehe auf einem Steg in einem schier endlosen Meer aus Lotosblüten, im Hintergrund ragen die Wolkenkratzer gen Himmel, hier und da sitzen Maler mit Staffeleien, nicht einmal der Lärm der Autos ist zu hören. Ein tiefer Frieden und Ruhe mitten in dieser rastlosen Stadt.“
(Leonie Muschner)


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„Es ist September in China. In Beijing, wo ich zwei Tage zuvor noch war, brannte die Sonne bei 30 Grad erbarmungslos auf die Ziegeldächer der Altstadt. Hier in Langmusi (郎木寺), einer kleinen Stadt an der Grenze der beiden Provinzen Gansu und Sichuan, hat es seit meiner Ankunft permanent geregnet. Und von den 30 Grad in Beijing sind nur noch 12 Grad übrig. Ich nutze eine kurze Schauerpause, um ein wenig um den lama-buddhistischen Tempel zu streifen. Kurz hinter der Tempelanlage gehen Wege und Straßen in eine atemberaubende Berglandschaft über. Gerade fängt es wieder an zu nieseln und ich will eigentlich schon meine Kamera wieder in der Jacke verstauen, als vor mir die Wolken aufreißen und mich mit diesem wundervollen Bild überraschen! Unvergesslich, dieses Stück wilder Natur im tibetischen Teil Chinas!“
(Zora von Zora in China)


6 Luang Prabang (Thorsten Muth)

„Kurz vor achtzehn Uhr, wenn die Mönche der zahllosen Wats von Luang Prabang ihre abendliche Meditation beginnen, wird die Luft von einem monotonen Summen erfüllt. Die letzten Lichtstrahlen werden vom trocknenden Reis aufgesogen, die Mücken steigen lautlos aus ihren Verstecken am Ufer des Mekong auf. Anderswo in Asien erschallt der Gebetsruf, hier kündigt sich der nahende Sonnenuntergang durch einen ebenmäßigen Singsang an, der aus den Tempeln bis auf die Straße dringt. Eben dieses Hier und Jetzt war für mich ein unheimlich inspirierender Moment.“
(Thorsten Muth)


8 Indonesien (Svetlana)

„Der Vulkan Merapi auf der indonesischen Insel Java ist einer der aktivsten des Landes. Nach einer abenteuerlichen Fahrt in einem Jeep bis zum Fuß des Berges konnten wir ihn uns näher anschauen, einen Schutzbunker besuchen und sogar einige nach dem letzten großen Ausbruch 2010 geborgene Gegenstände betrachten, die in der Nähe ausgestellt waren. Bei dem Anblick wurde mir wieder bewusst, welche (Zerstörungs)Kraft die Natur besitzt und wie wehrlos wir dagegen sind.“
(Svetlana Monastyrskaya)


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„Der Hardong Yonggungsa Tempel (해동 용궁) ist einer der vielen wunderschönen Tempel in Südkorea. Einzigartig macht ihn dabei die direkte Lage an der Küste. Wie es ist, an einem solch prächtigen Ort zu leben, konnte ich auch selber in einem Temple-Stay erfahren. Neben dem Basteln von Lotusblüten-Laternen und Fächerbemalen standen natürlich auch Gebete und Mediation auf der Tagesordnung. Noch immer wabbeln mir die Beine bei dem Gedanken an die traditionellen 108 Verbeugungen, die ich zweimal machen durfte.“
(Johanna Kuchem)

新年快乐!- Frohes Neues!

新年快乐!- Frohes Neues!

Es ist wieder so weit: In China wird es heute laut und bunt, wenn zahlreiche Feuerwerkskörper und Böller knallen, um das neue Jahr zu begrüßen! Das chinesische Neujahr, das sich am traditionellen chinesischen Bauernkalender orientiert, beginnt nämlich erst heute, am 28. Januar 2017. Der Grund dafür?

Das chinesische Neujahr, auch Frühlingsfest genannt, fällt immer auf einen Tag zwischen dem 20. Januar und dem 21. Februar. Warum die Zeitspanne so groß ist? Das liegt daran, dass sich der traditionelle Kalender nach den Mondphasen richtet und Neujahr immer am zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende gefeiert wird.

Gefeiert wird aber nicht nur der Beginn des neuen Jahres, sondern auch der Wechsel des Tierzeichens. Der Tradition nach wird in China nämlich jedem Jahr ein Tier aus dem zwölf Geschöpfe umfassenden Tierkreis zugeordnet. So beginnt dieses Jahr quasi mit einem Krähen: Der Hahn ist an der Reihe und löst damit den raffinierten und kreativen Affen des Vorjahres ab.

Die Charaktereigenschaften des amtierenden Tieres sollen der Tradition nach die Ereignisse des neuen Jahres prägen. Demnach steht die einjährige Herrschaft des Hahns unter einem guten Stern: So klingt allein das chinesische Wort für Hahn – Ji 鸡– vielversprechend, da es in der Aussprache einer chinesischen Bezeichnung für „glücklich“ ähnelt. Außerdem steht der Hahn im Tierkreiszeichen für Helligkeit, da er am Morgen als erster erwacht und mit seinem Krähen einen neuen Tag einläutet.

Der Hahn gilt dem Volksmund nach als gerecht, aufrichtig, mutig und fleißig. Aber natürlich hat auch er seine Schattenseiten, so neigt das farbenprächtige Tier zu Angeberei und übertriebenem Stolz.

Da 2017 aber nicht nur unter dem Zeichen des Hahns, sondern auch dem Element Feuer steht, und diese nur alle 60 Jahre auftretende Kombination eine besonders gute Mischung sein soll, verspricht es ein Jahr der Entwicklung, des Fleißes und der Gerechtigkeit zu werden.

Wir sind gespannt, ob der Hahn den hohen Erwartungen gerecht werden kann 😉 und wünschen Euch allen 福 雞 報 春 – Glückliches und fröhliches Hahn-Jahr!

Und noch ein kleiner Fun-Fact am Rande: Selbst das chinesische Neujahrsfest wird dieses Jahr von der umstrittensten Person der letzten Monate beeinflusst. Die Rede ist vom sogenannten „Trump-Rooster“, der sich in China bereits zu einer regelrechten Ikone für dieses Jahr des Hahns entwickelt hat. Was hinter diesem Trend steckt? Einige Unternehmen haben sich bei der Gestaltung ihrer kleinen Hahn-Figuren für das Neujahrsfest vom jetzigen US-Präsidenten inspirieren lassen.

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Damit aber nicht genug: Getoppt wurde der merkwürdige Trend in der Provinz Shanxi, wo eine riesige Hahn-Statue vor einer Shoppingmall steht und die charakteristischen Merkmale Donald Trumps aufweist. Angeblich soll dabei der Gedanke an erfolgreiche Geldgeschäfte der Auslöser für den „Inflatable Trump Rooster“ gewesen sein …

Laura Scherf

Aufbruch in anderen Schuhen

Aufbruch in anderen Schuhen

Am Mittwoch (18. Januar) fand unser zweiter Vortrag aus der Reihe „Moderne Sklaverei in Asien“ statt, für den wir Anton Pieper von Südwind e.V. eingeladen hatten. Das „Institut für Ökonomie und Ökumene“ konzentriert sich nicht allein auf Kampagnen, sondern verfolgt u.a. sehr wissenschaftliche Ansätze. Dennoch arbeitet Südwind im Rahmen der Aktion „Change Your Shoes“ gemeinsam mit 17 Partnerorganisationen an der Verbesserung der sozialen und ökologischen Bedingungen in der Leder- und Schuhproduktion, besonderer Fokus liegt dabei auf asiatischen und europäischen Ländern.

Woher kommen unsere Schuhe? Wie werden sie produziert und von wem? Aus welchen Materialien bestehen sie und unter welchen Arbeitsbedingungen werden sie hergestellt? Neben einigen grundlegenden Fakten zur Schuhindustrie in Asien, Osteuropa und Italien präsentierte uns Anton Pieper anhand der Fallbeispiele China und Indien auch die Ergebnisse eigener Feldforschung. Interviews mit ArbeiterInnen aus der Provinz Guangdong zeichnen als Momentaufnahme eine Situation, die von Zwangsüberstunden und Lohnabzug, Diskriminierung von Frauen bei der Bezahlung und auch von sexuellen Übergriffe geprägt ist. Die Beschäftigten in den Schuhfabriken sowohl in China als auch in Osteuropa verdienen oft nur die Hälfte eines existenzsichernden Lohnes, wobei sie viele Stunden bis zur völligen Erschöpfung in oft gesundheitsgefährdender Umgebung arbeiten. In China gibt es keine Gewerkschaften, die Selbstorganisation der ArbeiterInnen ist illegal. Mithilfe von Streiks gelang es zumindest, Abfindungen zu erwirken, als die Schuhfabriken von Guangdong aufgrund der steigenden Produktionskosten ins Landesinnere wanderten. Gleichzeitig kam es jedoch auch zu Verhaftungen und repressiven Maßnahmen vonseiten des Staates. In Indien, wo es zumindest im Süden des Landes Gewerkschaften gibt, konzentriert sich die Schuhindustrie zu 60 Prozent auf Lederschuhe, weshalb zur Gesamtproblematik noch die Verhältnisse in den Gerbereien Südindiens hinzukommen: Etwa 85 Prozent des Leders wird mit Chrom gegerbt. Wenn sich das ungiftige Chrom-3-Salz (Cr2O3), das vor allem bei den ersten Produktionsschritten benötigt wird, bei nicht fachgerechter Behandlung zum krebserregenden Chrom-6 (CrO3) wandelt, hat dies verheerende ökologische und gesundheitliche Folgen. Die ArbeiterInnen werden oft nicht mit der passenden Schutzkleidung ausgestattet und sind hier besonders gefährdet.

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Nur etwa 0,5 bis 2 Prozent der Kosten für einen fertigen Schuh machen den Lohn aller beteiligter AbeiterInnen zusammen aus. Die Schuhbranche eignet sich dabei besonders gut als Beispiel für zunehmend globalisierte Wertschöpfungsketten, die in höchstem Maße intransparent sind und häufig einhergehen mit Ausbeutung und Menschenrechtsverletzungen in den Produktionsländern. Anders als in der Textilindustrie gäbe in der Schuhbranche jedoch noch kein breites Spektrum an Fair-Trade-Produkten und Gütesiegeln, bemerkt Pieper, deshalb sei es wichtig, ein besseres Bewusstsein bei den KonnsumentInnen zu schaffen. Er meint aber auch, dass sich über die Beeinflussung des Konsumverhaltens alleine nicht alles regeln ließe. Auch freiwillige Zusammenarbeit (wie z.B. im Rahmen des Textilbündnisses) sind nur kleine erste Schritte. Vielmehr bedürfe es konkreter gesetzlicher Rahmenbedingungen. Es müsse Druck ausgeübt werden – auf die Akteure, auf die Privatwirtschaft und die Unternehmen. Deshalb sei die Lobbyarbeit neben den Recherchen und der Kampagnenarbeit ein so elementarer Teil der Arbeit von Südwind.

Vortrag „Moderne Sklaverei in der Schuhindustrie in China“ (18.01.)

Vortrag „Moderne Sklaverei in der Schuhindustrie in China“ (18.01.)

EILMELDUNG! Im Rahmen der Themenreihe „Moderne Sklaverei in Asien“ veranstaltet unsere Asienhaus-Hochschulgruppe am Mittwoch (18.01.) um 18.00 Uhr (c.t.) einen Vortrag in HS 17, wo uns Anton Pieper von Südwind e.V. etwas über die Schuhindustrie in China erzählen wird.

Das Südwind e.V. – Institut für Ökonomie und Ökumene befasst sich mit einem breiten Spektrum von Nord-Süd-Themen, führt handlungsorientierte Recherchen zu weltwirtschaftlichen Themen durch und arbeitet auf wirtschaftliche, soziale und ökologische Gerechtigkeit hin. Unser Referent beschäftigt sich mit Arbeits- und Menschenrechten, der Schuhproduktion und der Sozialverpflichtung von Unternehmen. Wir freuen uns, ihn am 18. Januar begrüßen zu können und hoffen, dass Ihr zahlreich erscheint!

Die Facebook-Veranstaltung findet Ihr hier, die dürft Ihr natürlich auch fleißig teilen! Mehr Infos über Südwind e.V. gibt es unter www.suedwind-institut.de.

Bali – zwischen Hipster-Tourismus und hinduistischen Traditionen

Bali – zwischen Hipster-Tourismus und hinduistischen Traditionen

Der Staat Indonesien besteht zwar aus über 17.000 Inseln, doch die weltweit wohl bekannteste unter ihnen ist vermutlich Bali. Obwohl Bali im Zentrum des Archipels liegt und in unmittelbarer Nähe Javas, der bevölkerungsreichsten Insel Indonesiens, liegt, hat sich auf dieser kleinen Insel eine ganz eigene Kultur entwickelt und bis heute durchgesetzt. Einen der markantesten kulturellen Unterschiede stellt die Religion dar. Indonesien ist das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt, doch ein Großteil der BalinesInnen ist hinduistisch. Die Religion hat die balinesische Kultur stark geprägt und hat auch heutzutage noch großen Einfluss auf den Alltag.

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Wenn man zum ersten Mal auf Bali ankommt kann es jedoch sein, dass man zunächst einmal vergeblich nach der „typisch balinesischen“ Kultur sucht. Kulturbegeisterte Reisende werden vermutlich Ubud besuchen, die Stadt, die als kulturelles Zentrum Balis gilt. In Ubud angekommen, werden sie dann schnell feststellen, dass das Stadtbild von Yogastudios, Spas, veganen Restaurants und alternativen Kleidungsläden beherrscht wird. Es ist ein Paradies für Hipster, Livestyle-Blogger und alle Instagram-Püppchen dieser Welt. Ein super individuelles, neues Profilbild mit einem Äffchen auf dem Arm schießen, danach einen Smoothie (natürlich organic) schlürfen und zum Abschluss noch schnell eine neue Yogamatte kaufen um das vegane Eis wieder abzutrainieren, alles kein Problem. Aber authentische, balinesische Kultur? Fehlanzeige! Zwar sieht man am Straßenrand kleine Gebetsstätten und Schreine an denen die Balinesinnen Gaben für die Götter darbieten, und auch auf den Bürgersteigen gibt es überall kleine Opfergaben, doch das ist nur ein sehr kleiner Einblick in die balinesische Kultur.

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Wer Glück hat, ist während der Zeit eines hinduistischen Festes auf Bali, denn diese sind ein einzigartiges Erlebnis und Interessenten haben die Chance auf eine authentische Erfahrung mit der balinesischen Kultur. Einer der wichtigsten balinesischen Feiertage ist der sogenannte „Hari Raya Galungan“, welcher eine 10-tägige Festzeit einleitet, die mit dem „Kunigan-Fest“ endet. Bereits vor dem Tag des Festes herrschen rege Vorbereitungen. Straßen werden mit selbstgemachten „Penjors“ geschmückt, dabei handelt es sich um einen Bambusstab, welcher mit Stoffen, Früchten und Blumen als Opfergaben dekoriert wird, und es werden zahlreiche Speisen als Opfergaben und für die Festlichkeiten vorbereitet.

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Das Galungan-Fest ist für die BalinesInnen aus mehreren Gründen sehr wichtig. Es ist dem höchsten göttlichen Wesen, dem „Sangyang Widi“ gewidmet, welcher der allumfassende Schöpfer des Universums ist und eine abstrakte Übergottheit für die BalinesInnen darstellt. Am Tag des Galungan-Festes steigt er zusammen mit anderen Gottheiten und den Ahnen der BalinesInnen zu den Menschen herab und verweilt bei ihnen bis zum Kunigan Fest. Gleichzeitig feiern die Balinesen am Galungan auch den mythologischen Sieg der Götter gegen die Mächte des Bösen, also den Sieg des Dharma (das „Gute“) gegen das Adharma (das „Böse“).

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Am Tag des Galungan-Festes sind alle BalinesInnen in ihrer besten Festtagskleidung auf den Straßen und besuchen Tempel und Friedhöfe mit Opfergaben für Götter und Ahnen. Auch in den darauf folgenden Tagen gibt es auf ganz Bali immer wieder lange Prozessionen auf den Straßen. Da außerdem die meisten BalinesInnen zum Anlass der Feierlichkeiten ihre Familien besuchen oder gemeinsame Ausflüge zu Tempeln unternehmen, kommt es auf den Straßen oft zu langen Staus. Davon lassen sich die BalinesInnen aber nicht die Festtagsstimmung vermiesen. Oft wird die Pause im Stau genutzt um anzuhalten und noch etwas zu Essen zu kaufen, was dann später beim Familienpicknick bei einem der zahlreichen Tempel verzehrt werden kann. Auch an den Tempeln herrscht in dieser Festtagsperiode reges Treiben. Die Stimmung in den Zufahrtsstraßen erinnert fast an einen Jahrmarkt, überall drängen Menschen an Verkaufsständen vorbei, an denen es Spielzeug, Kleidung, Schmuck und natürlich Essen zu kaufen gibt. Die Festlichkeiten enden erst nach 10 Tagen mit dem Kunigan Fest, welches noch einmal besonders den Ahnen gewidmet ist und an dem die Götter und Ahnen die Erde wieder verlassen.

Leonie Muschner
(Text & Bilder)